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Dein „inneres Team“: Der Dialog mit dir selbst

Warum es so wichtig ist und wie du es nutzen kannst

In den Familienurlaub mit dem Auto oder doch lieber mit dem Zug? Oft haben wir verschiedene Meinungen und Gedanken im Kopf – das macht Entscheidungen nicht gerade leichter. Kommt dir bekannt vor? Dann wird es Zeit, dein „inneres Team“ kennenzulernen – für eine Extraportion Tatkraft. Was das Kommunikationsmodell des „inneren Teams“ ist und wie du es nutzen kannst, liest du hier.

5.1.2023 Lesezeichen setzen
Frau steht am Fenster und schaut in die Ferne.

Wir kommunizieren ständig, auch mit uns selbst – Zeit dein „inneres Team" kennenzulernen.

Der eine möchte direkt mit der Präsentation anfangen, der andere hingegen will zuerst nochmal die Fakten prüfen und du denkst vielleicht es fehlen noch wichtige Details, die recherchiert werden sollten. Kommt dir so oder so ähnlich irgendwie bekannt vor? Die Schulzeit und das Arbeitsleben haben es gezeigt: Bei einer Gruppenarbeit geht es nicht immer nur harmonisch zu. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn hier treffen unterschiedliche Persönlichkeiten, Meinungen und Erfahrungen aufeinander. Gerade Abstimmungen sind in großen Gruppen meist eine Herausforderung. Ähnlich kann es bei den großen Entscheidungen des Lebens auch in uns selbst aussehen, denn unsere Persönlichkeit besteht aus verschiedenen „Teammitgliedern“, die Unterschiedliches wollen – so die Theorie.

Jede Entscheidung, die du triffst, ist also eigentlich eine Teamleistung. Klingt seltsam, ist aber so. Tatsächlich kommunizieren wir nicht nur mit unseren Mitmenschen, sondern auch mit uns selbst – quasi mit unseren inneren Stimmen. Anders ausgedrückt: Ein sogenanntes „inneres Team“ ist an jeder unserer Entscheidungen beteiligt.

Inneres Team: Was bedeutet der Begriff?

Jeder von uns kennt das Gefühl sich bei einer Entscheidung hin- und hergerissen zu fühlen. Wenn du beispielsweise überlegst, dich beruflich weiterzuentwickeln und einen neuen Job anzunehmen, wirst du in deinem Inneren bestimmt nicht nur eine „Stimme“ finden, die sich zu Wort meldet. Vielleicht schießen dir Kommentare durch den Kopf, die dich antreiben und sagen: „Ich habe lange auf einen Job gewartet, bei dem ich mich für die Umwelt engagieren kann“ oder „Hier kann ich mich beruflich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen“. Kurz darauf schaltet sich die Familienstimme ein, die einwirft: „Zum neuen Job gehören auch Überstunden, das bedeutet weniger Zeit für Familie und Freunde.“ Du kennst das? Dann hast du Teile deines „inneren Teams“ bereits kennengelernt.

Der Begriff stammt von dem Hamburger Psychologen Friedemann Schulz von Thun. Laut diesem Persönlichkeitsmodell geht jeder Mensch mit seinem eigenen „inneren Team“ durchs Leben. Dabei ist das Team eine Metapher für die unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile, Charaktereigenschaften, Stimmen oder Gedanken, die jeder Mensch in sich trägt. Denn jeder von uns ist doch ein bisschen mutig, ein bisschen humorvoll, ein bisschen selbstbewusst und ein bisschen sensibel – nur eben nicht alles auf einmal und in jeder Situation zu 100 %. Jedes Teammitglied kannst du dir als eigene Person vorstellen – Schulz von Thun nennt das „innere Pluralität“.

Innere Pluralität: Wenn das „innere Team“ miteinander ringt

Kein „inneres Team“ gleicht dem anderen – jeder Mensch hat sein ganz individuelles Team. Wie in deinem sozialen Umfeld auch, gibt es hier Mitglieder, die gerne im Mittelpunkt stehen und andere, die lieber im Hintergrund bleiben. Doch das ist noch nicht alles: Je nach Situation kommen andere Teammitglieder zum Zug. Du bist im Arbeitsleben vielleicht eher zurückhaltend, aber sobald du deinem Hobby nachgehst, wächst du förmlich über dich hinaus – pflegst soziale Kontakte und bist mitten im Geschehen.

Doch was passiert im „inneren Team“, wenn wir vor einer Herausforderung stehen? Sagen wir du probierst gerne neue Sachen und Hobbys aus – auf deiner Wunschliste stehen ein Soulfood-Kochkurs, ein Affirmations-Workshop oder auch Urban Gardening. Hier kannst du aus dem Bauch heraus entscheiden, was du zuerst ausprobieren willst – dein „inneres Team“ ist sich in solchen Situationen meist einig. Anders sieht es aus, wenn eine Kollegin dich um Unterstützung bei einem Projekt bittet, du aber selbst gerade viel zu viel zu tun hast oder dir den Abend eigentlich freihalten wolltest. Stehen wir jetzt vor solchen Entscheidungen, halten unsere Teammitglieder ein inneres Teammeeting ab. Dabei kommen die verschiedenen Mitglieder und ihre Meinungen, Einstellungen und Wünsche zu Wort. Ähnlich wie bei der Gruppenarbeit, herrscht auch hier nicht immer Einigkeit. Manchmal ist diese „innere Pluralität“ anstrengend und macht es unserer Tatkraft schwer. Wir sind dann unentschlossen und fühlen uns hin- und hergerissen.

Dabei sind es aber gerade diese Herausforderungen im „inneren Team“ – wenn wir sie erfolgreich lösen können – die uns wachsen lassen und uns helfen, selbstbewusst in die Zukunft zu blicken.

Beim genaueren Hinschauen fällt auf: Die innere Pluralität hat einige Vorteile. Sie bewahrt uns davor, vorschnelle Schlüsse zu ziehen oder unüberlegte Fehlentscheidungen zu treffen. Trotzdem sollte das übergeordnete Ziel immer sein, die Teammitglieder zu vereinen, denn nur so kannst du das eigentliche Synergiepotential nutzen. Wir wissen, dass mehrere Personen einen größeren Erfahrungsschatz haben als eine einzelne – warum sollte es bei unserem „inneren Team“ anders sein? Jede Stimme hat Wichtiges zu verkünden und verdient es, gehört zu werden. Das Beste daran: Die Arbeit mit deinem „inneren Team“ hilft dir mehr Tatkraft in deinen turbulenten Alltag zu bringen und macht dich obendrein zu einem überlegten Entscheider.  

Übung: Ein Gespräch mit deinem „inneren Team“

Je besser unsere einzelnen Teammitglieder zusammenarbeiten, desto klarer kannst du mit deinen Mitmenschen kommunizieren und Entscheidungen treffen – dein „inneres Team“ trägt immens zu deinem Wohlgefühl bei. Statt dich also von den Meinungen der verschiedenen Mitglieder verwirren zu lassen, kannst du sie bewusst nutzen. Oft neigen wir ja auch dazu, nur den Argumenten zuzuhören, die uns gefallen – andere blenden wir gerne mal aus. Aber wie wäre es denn damit einmal alle Teammitglieder zu Wort kommen zu lassen? Die folgende Übung hilft dir, besser mit deinem „inneren Team“ zusammenzuarbeiten:

  1. Mit welchem Teammitglied spreche ich?
    Anfangs ist es gut, herauszufinden, welche Teammitglieder sich in welchen Situationen zu Wort melden. Oder generell: Welche Personen sind denn in meinem „inneren Team“?
  2. Deinem „inneren Team“ zuhören
    Wichtig ist, jedem Teammitglied Gehör zu schenken. Dabei ist es entscheidend, dass du aufsteigende Gefühle wahrnimmst und zulässt – ansonsten kann dein „inneres Team“ nicht als Einheit agieren. Manchmal hilft es, die verschiedenen Argumente aufzuschreiben. Schriftlich ist es meist einfacher sich widersprüchliche Gefühle und Argumente zu verdeutlichen.
  3. Lass die Teammitglieder diskutieren
    Jetzt kann das „innere Team“ entweder auf einem Stück Papier oder einfach nur gedanklich über ein Thema diskutieren. 

Vergiss dabei nicht: Du bist das Oberhaupt und hast die Zügel in der Hand! Dein „inneres Team“ liefert dir eine Pro- und Kontra-Liste – auf ihrer Grundlage kannst du die richtige Entscheidung für dich treffen.

Mehr Wohlgefühl durch innere Synergie

Wenn du es schaffst, Harmonie in dein „inneres Team“ zu bringen, hilft dir das nicht nur bei der Entscheidungsfindung, obendrein hat es einen positiven Effekt auf deine Gefühlslage. Du fühlst dich glücklich, zufrieden und strahlst innere Ruhe aus. Du bist mit dir im Reinen und kannst mit einem vereinten Team im Inneren selbstbewusst, stark und authentisch auftreten – egal, in welcher Situation. 

Obendrein profitiert deine Selbstakzeptanz von der Arbeit mit deinem „inneren Team“. Viel zu oft ignorieren wir bestimmte Anteile unserer Persönlichkeit. Manchmal ist es schwer, zu den eigenen Unsicherheiten zu stehen, doch unser „inneres Team“ zeigt uns, dass alle Facetten unserer Persönlichkeit zu uns gehören und wir sie annehmen müssen, um inneres Gleichgewicht zu finden. 


Hast du schon Erfahrungen mit deinem „inneren Team“ gesammelt?

Lass es uns in den Kommentaren wissen!